Rostocker setzen Standards

SVZ.de 20.11.2014

von Lisa Kleinpeter

Mit neuen Verfahren setzen Mediziner Standards bei Leber-Operationen

Kein halbes Jahr ist Prof. Dr. Tung Yu Tsui an der Universitätsmedizin in Rostock beschäftigt – und schon hat der neue Leiter der ebenso neuen Sektion Onkologische Chirurgie und Transplantation Eingriffe gemeistert, an die sich sonst nur wenige Mediziner in Deutschland trauen.

Jüngst führte er als erster Chirurg in Mecklenburg-Vorpommern an der Unimedizin die Hemihepatektomie in laparoskopischer Technik durch. Ein Eingriff, mit dem Krebserkrankungen der rechten Leberhälfte behandelt werden. Der betroffene Leberlappen wird dabei durch einen minimalen Zugang entfernt. Die Technik wird nur an wenigen Universitätskliniken durchgeführt.

Kleinerer Schnitt – aber größere Erfolge

„Wir haben in Deutschland viele Kollegen, die noch nach der alten Schule ausgebildet wurden“, so Tsui. „Sie sind es gewöhnt, offen zu operieren. Dabei gibt es heute gute Alternativen, die viele Vorteile bringen.“ So könne mit der neuen Methode durch den Einsatz einer kleinen Kamera genauer präpariert und operiert werden. Auch die Blutung während der OP lasse sich besser unter Kontrolle halten. „Mehr Komfort für die Patienten“, sagt Tsui. „Da der Zugang sehr klein ist, sind sie einer geringeren Belastung ausgesetzt. Sie erholen sich schneller und können früher nach Hause. Es gibt weniger Schmerzen und am Ende sieht man keinen Schnitt.“ Tsui ist Anfang Juli vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf an die Rostocker Unimedizin gekommen. 1969 in China geboren, studierte er in Hongkong und Hannover, bevor er vor zehn Jahren endgültig nach Deutschland wechselte. Bereits kurz nach seinem Einstand in Rostock wagte Tsui eine Operation an einem Lebertumor, der als inoperabel galt und setzte an der Unimedizin neue Standards. Die Patientin ist heute tumorfrei.

Erste Kombination zweier Verfahren

Gemeinsam mit seinen Kollegen aus der Abteilung für Nephrologie gelang Tsui im August die Behandlung einer Patientin, die an einer seltenen Form von akuter Hepatitis erkrankte. „Der Zustand der Frau war sehr kritisch, als sie in unsere Klinik kam“, berichtet Abteilungs-Leiter Prof. Dr. Steffen Mitzner. „Eine seltene Infektion hatte dazu geführt, dass gleich mehrere Organe, allen voran die Leber, innerhalb weniger Stunden versagten.“

In solch dringlichen Fällen landen Patienten sofort auf der Transplantationsliste. Um die Frau bis zur Operation am Leben zu erhalten, bedienten sich die Mediziner zweier Verfahren, die weltweit zum ersten Mal miteinander kombiniert wurden: Zusätzlich zu einem in Rostock entwickelten Leberdialyseverfahren wurde ein neuartiger Absorber angewandt, der normalerweise bei Blutvergiftungen zum Einsatz kommt. Der Absorber hemmt das Voranschreiten von Entzündungen und des Organversagens. „Mit dieser neuartigen Kombination konnte die Patientin in der Wartezeit auf das Organ so weit stabilisiert werden, dass Chirurg Tsui erfolgreich eine neue Leber einsetzen konnte“, so Mitzner. Die Patientin wurde nach vier Wochen entlassen. „Es gibt einerseits Einrichtungen, die zwar schwerstkranke Leberpatienten behandeln, aber scheitern, wenn die Person septisch wird.“ Auf Intensivstationen hingegen seien Sepsis-Kranke häufig – komme Organversagen hinzu, werde es aber auch hier kritisch. „Daher wollen wir die Kombination aus Transplantation und Sepsis-Absorber weiter studieren.“